Pressemeldung vom 3. Mai 2018, Allgemein

Ohne Unterschrift ist online vieles möglich: Mitglied werden, Verträge
abschließen, Upgrades vornehmen, Zusatzleistungen hinzubuchen
und Vereinbarungen auch wieder auflösen. Doch bei Kündigungen
von digital abgeschlossenen Verträgen legen
Telekommunikationsunternehmen, Dating-Dienste oder soziale
Netzwerke abwanderungswilligen Kunden geschickt Steine in den
Weg, um sie nicht ohne ausdrückliche schriftliche Erklärung gehen zu
lassen. Ein fragwürdiges Bremsmanöver versuchen Anbieter etwa mit
Hilfe einer aktivierbaren „Kündigungsvormerkung“ auf ihrer Webseite.
„Hinter diesem auf den ersten Klick kundenfreundlichen Service,
Vertragskunden rechtzeitig zum Laufzeitende an eine mögliche
Kündigung zu erinnern, dient dieser Hinweis Online-Anbietern oft als
Vorwand, um abtrünnigen Kunden einen Verbleib bei ihrem Angebot
schmackhaft zu machen“, warnt die Verbraucherzentrale NRW. Sie
erklärt, wie der Kniff Kunden von einer Kündigung abhält und wie
dennoch ein Online-Vertrag erfolgreich gekündigt werden kann:

• Vormerkung kein Ersatz für wirksame Kündigung: Wer
den Button „Kündigungsvormerkung“ bei einem
kostenpflichtigen Online-Angebot zum Surfen, Telefonieren,
Daten oder Vernetzen anklickt, setzt damit nicht automatisch
eine Kündigung zum vereinbarten Laufzeitende eines
Vertrags in Gang. Die Vormerkung ist lediglich ein Hinweis,
dass der gültige Vertrag zu einem bestimmten Termin
mündlich oder schriftlich gekündigt werden kann.

• Service dient der Kundenbindung: Anbieter installieren die
Funktion „Kündigungsvormerkung“ auch auf ihren Webseiten,
weil sie hoffen, dass Kunden vor Fristende anrufen, um sich
nach neuen Angeboten zu erkundigen. Wankelmütige Kunden
sollten jedoch nicht glauben, mit dem Häkchen bei der
Kündigungsvormerkung und dem anschließenden Telefonat
hätten sie in puncto Kündigung alles getan: Wer sich nicht
zum Bleiben ermuntern lässt, muss dennoch ausdrücklich
kündigen!

• Nachteile für Kunden: Pech hierbei, dass die gesetzten
Kündigungsfristen häufig nicht mehr eingehalten werden
können und der Vertrag sich automatisch verlängert. Eine
Vertragskündigung bei einem Online-Anbieter muss nicht
unbedingt schriftlich erfolgen, sondern kann am Telefon auch
mündlich erklärt werden, falls Firmen dies zulassen.
Allerdings wird es für viele Kunden schwierig sein, eine
mündliche Kündigung im Nachhinein nachzuweisen.

• Richtig kündigen: Online-Firmen legen in ihren Allgemeinen
Geschäftsbedingungen (AGB) fest, in welcher Form die
Kündigung eines Vertrages möglich ist. Hierbei können sie
eine mündliche Kündigung am Telefon ausschließen, nicht
aber den Vertragsstopp per E-Mail oder Fax. Mit einer
schriftlichen Erklärung, in der eindeutig steht, „dass der
Vertrag zum nächstmöglichen Termin gekündigt werden soll“,
sind abtrünnige Kunden auf der sicheren Seite. Bei der
Kündigung müssen die gesetzten Fristen von bis zu drei
Monaten beachtet werden. Das Fristende ist meist in den
Vertragsunterlagen oder auch in den Rechnungen
angegeben. Um den rechtzeitigen Eingang des
Kündigungsschreibens bei Problemen nachzuweisen, sollte
ein Brief per Einschreiben mit Rückschein versandt, der
Sendebericht bei einem Fax aufbewahrt oder eine E-Mail mit
Lesebestätigung auf den Weg gebracht werden. Anbieter sind
nicht verpflichtet, eine Kündigung zu bestätigen. Für die
meisten gehört dies jedoch zum Service.

Quelle i.A. Frauke Heise-Dippel


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