Bildstörung – Europäisches Straßentheaterfestival Detmold 2018

Pressemeldung vom 23. April 2018, Detmold

Neuer Zirkus beim Europäischen Straßentheaterfestival

Der Neue Zirkus ist in Frankreich entstanden und hat sich in den letzten 30 Jahren in vielen Ländern etabliert. Belgien, Schweden oder Kanada, die in den letzten Jahrzehnten ihre Ausbildungsstruktur modernisiert und förderpolitische Maßnahmen eingesetzt haben, verfügen heute über eine breite Szene des Neuen Zirkus. In diesen Ländern hat der Neue Zirkus einen gleichberechtigten Platz neben anderen zeitgenössischen Künsten wie der Neuen Musik und dem Modernem Tanz eingenommen. In Deutschland ist er nach wie vor eine Randerscheinung, die im Rahmen gemeinnütziger Initiativen Einzelner existieren kann. Es gibt eine Vielzahl von Artisten, die sich diesem Genre zugehörig fühlen und kleinere Solostücke oder Duette erarbeiten. Häufig kommen diese Künstler nach einer längeren Arbeitsphase im Ausland oder dem Besuch einer ausländischen Zirkusschule nach Deutschland zurück und möchten hier ihrem Beruf nachgehen.

Es gibt viele verschiedene Wegbereiter und Vorbilder des Neuen Zirkus: das Ensemble Théâtre du Soleil von Ariane Mnouchkine oder die spanische Theatergruppe La Fura dels Baus auf der einen Seite, amerikanische Gauklerkünstler oder der klassischen Pierrot auf der anderen. Dazwischen liegt der genreverbindende Nouveau Cirque, der vom Pferdetheater Zingaro bis zum poetischen Cirque Plume reicht. Gruppen wie sie haben die Gattung nicht nur künstlerisch revolutioniert, sondern ihr auch kulturpolitische Anerkennung verschafft: Zirkus fällt seit den Anfängen des Nouveau Cirque in Frankreich nicht mehr in die Zuständigkeit des Landwirtschafts-, sondern des Kulturministeriums.

Der Neue Zirkus ist eine moderne, interdisziplinäre und innovative Kunstform auf höchstem Niveau, die auf internationalen Bühnen und im öffentlichen Raum präsent ist. Die Manege wird durch die Theaterbühne, das spektakuläre Amüsement durch Ernsthaftigkeit, die Nummernrevue durch ein dramaturgisches Konzept ersetzt. Die Zirkustechniken werden zum Ausdrucksmittel von Performern, deren Persönlichkeit, Biographie und Körperlichkeit einen großen Einfluss auf ihre Arbeit haben und auch haben sollen. „Ein kleiner, dicker Seiltänzer kann so für wesentlich mehr Furore sorgen als ein körperlich athletischer, der noch so überragendes vollbringt“ (Georg Daxner, Winterfest Salzburg). Es geht nicht mehr um die größte körperliche, sondern um die größte künstlerische Leistung. Oft arbeitet der Neue Zirkus an der Schnittstelle zu anderen Künsten, wie Schauspiel, Tanz, Musik, bildende Kunst, neuen Medien etc. Die Vermischung der Genres, das Überspringen der Grenzen ist dabei für viele Künstler eine selbstverständliche Möglichkeit, andere durch ihr Tun zu inspirieren und sich selbst inspirieren zu lassen.

Zur BILDSTÖRUNG nach Detmold sind Kompagnien des Neuen Zirkus aus vier verschiedenen Ländern eingeladen: Cirque Inextremiste aus Frankreich, Claudio Stellato Cie. aus Belgien, NoFitState und Motionhouse aus Großbritannien und die deutsche Gruppe Zirkus Morsa, die jetzt in Frankreich lebt und arbeitet.

Quelle Colya Goh


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